Bildbetrachtungen 2017


Joey Schmidt-Muller

2017

 

BILD-BETRACHTUNGEN    Text © Wernfried Hübschmann

 

Wo das Bild aufhört, beginnt seine Bedeutung.

 

Das Bild IST (Faktizität).

 

Aber seine Bedeutung = die Bedeutung seiner Zeichenhaftigkeit, ergibt sich aus seiner Umgebung, seiner Einbettung, aus dem Widerstand, auf den es trifft und den es hervorruft. Ohne Reibung ist das Streichholz wertlos.

An seinen Rändern macht das Bild Grenz-Erfahrungen.

Das Bild ragt ins Nicht-Bild hinein.

Das Bild bildet einen Text (eine Textur), die gelesen, entziffert, dekodiert werden muss. Ich sage nicht „verstanden“ werden muss. Die Dynamik des Verstehen-Wollens, des Offenlassens, der Möglichkeit ziehe ich der Statik des Ver-Stehens (seiner impliziten Ein-Eindeutigkeit) allemal vor.

Das Bild zerlegen in sein Ganzes. Und wieder zusammensetzen in seine Einzelteile.

 

Das Museum ist eine Folterkammer. Alle Bilder sind an die Wand genagelt. Hängen (manche kopfunter). Grausam, einsam.

Zeichen = Einzelne Äußerung

Symbol = Sinnstiftung (Verknüpfung)

Metapher = Brücke

Die Interpretation formuliert das Dazwischen – inter.

Lange vor einem Bild gestanden. Später bemerkt, dass es sich auf meine Haut ausgedehnt hatte. Keiner der Wärter bemerkte den Kunstraub.

Größtmögliche Spannung zwischen den Zeichen. Damit dass Bild sich nicht entscheiden kann zwischen Implosion und Explosion.