Joey Schmidt-Muller, traumatisch-dämonische Figuren im Renaissancestil

Nicht die Farbe, die Botschaft ist mir wichtig

 

 

Joey Schmidt-Muller, traumatic-demonic figures in the Renaissance style
Not the color, the message is important to me


GORGEOUS TRUE CONVERSION, to Joey Schmidt-Muller's picture "The Monkey" (2018)

What does this monkey (or is it an ape) have to say? Which sounds, which cooing, rattling or screaming comes from this mouth Joey Schmidt-Muller shows us open, the tongue slightly shifted. Which report for which academy is submitted here? What words would Kafka put into the mouth of this creature? What a bizarre appearance: half ape, half human, with a parasol mushroom as a hat and a kind of sun disc as the icing on the cake. Ascot or Ammersee? The neighbor at the fence tells the latest gossip: Imagine ... did you know .. unbelievable ... no, really ?!

Here Joey Schmidt-Muller drives his traumatic objectivity to a grotesque peak and confronts us in this painting with its own abysses, with the unfinished existence of one's own existence. We painfully recognize that we are born human, but we still have to become "human beings". The monkey who fools us here may have more to say than we first believed. What dialogue begins here, between vegetative affection and us. What is the next step: generation or degeneration?
A disturbing painting, a strong picture.

Wernfried Hübschmann (born 1958) is a poet, essayist, coach and consultant. Most recently, in 2017 he published the poetry book "Wiesentalgedichte" in Drey Verlag, Gutach. Since 2014, Wernfried Hübschmann and Joey Schmidt-Muller have worked closely together at exhibitions and reading projects.

 

WUNDERSAME WAHNVERWANDTSCHAFT, zu Joey Schmidt-Mullers Bild „The Monkey“ (2018)

Was hat dieser Affe (oder ist es eine Äffin) zu sagen? Welche Laute, welches Gurren, Röcheln oder Schreien kommt aus diesem Mund, den Joey Schmidt-Muller uns geöffnet zeigt, die Zunge leicht verschoben. Welcher Bericht für welche Akademie wird hier abgegeben? Welche Worte würde Kafka dieser Kreatur in den Mund legen? Was für eine skurrile Erscheinung: halb Affe, halb Mensch, mit einem Parasolpilz als Hut und einer Art Sonnenscheibe als i-Tüpfelchen. Ascot oder Ammersee? Die Nachbarin am Zaun kolportiert den neuesten Klatsch: Stellen Sie sich vor ... wussten Sie schon .. unglaublich ... nein, wirklich?!

Joey Schmidt-Muller treibt hier seine traumatische Sachlichkeit auf eine groteske Spitze und konfrontiert uns auf diesem Gemälde mit den eigenen Abgründen, mit dem Unfertigen der eigenen Existenz. Wir erkennen auf schmerzliche Weise: Wir kommen als Menschen zur Welt, aber zu „Menschen“ müssen wir noch werden. Der Affe, der uns hier zum Narren hält, hat vielleicht mehr zu sagen, als wir zunächst glaubten. Welcher Dialog beginnt hier, zwischen vegetativem Affentum und uns. Was ist der nächste Schritt: Generation oder Degeneration?
Ein verstörendes Gemälde, ein starkes Bild.

 

Wernfried Hübschmann (geb. 1958) ist Dichter, Essayist, Coach und Berater. Zuletzt erschien 2017 von ihm der Gedichtband „Wiesentalgedichte“ im Drey Verlag, Gutach. Seit 2014 arbeiten Wernfried Hübschmann und Joey Schmidt-Muller bei Ausstellungen und Lesungsprojekten eng zusammen.

www.wernfried-huebschmann.de


Art is for me a universal language, without letters and without rules

Kunst ist für mich eine universelle Sprache, ohne Buchstaben und ohne Regeln

Das brotlose Kunst-Manifest

 

Es ist nicht damit getan, dass man dem Kind einen Namen gibt, viele Wort-Leichen produziert und sie danach auf die Torte packt. Worte sind oft mangelhaft und zeigen uns wie schwierig es ist, künstlerische Stilrichtungen und neue Strömungen in der Kunst zu definieren. Es ist anscheinend Mode geworden, wortreich über den internationalen Kunstmarkt und die Auswirkungen der sich konkurrenzierenden Kunstmessen und Museen zu debattieren. Scheinbar unwichtig ist bei dieser Sache der Künstler, der es erst ermöglicht, dass es den Kunstmarkt überhaupt gibt.

 

Die Kunst ist eine menschliche Schöpfung. Sie ist das Ergebnis eines kreativen Prozesses, der mittlerweile selbst zum Kunstprodukt geworden ist und somit nicht mehr primär an das Endprodukt gebunden, einer “Alles ist möglich”, fortschreitenden Ausuferung gleich. Wer die Augen öffnet, stellt fest, dass die Qualität zeitgenössischer Kunst auf ein bedenkliches Niveau gesunken und der Begriff “Qualität“ für die Kunst zu definieren, ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist. Ein gesellschaftlicher Dialog über Kunst, eine Auseinandersetzung was als Kunst gelten soll, findet leider nur noch selten statt. Die Notwendigkeit der Qualitätsdebatte sollte deshalb eine Selbstverständlichkeit sein, wobei der ökonomische Erfolg nicht allein als Maßstab gelten darf.

 

Der oft gehörte Ausspruch, alles ist Kunst und jedermann ist ein Künstler; es also keine Unterscheidungskriterien für Kunst geben soll, was am Ende des Gedankens nur bedeuten würde, dass Kunst etwas überaus Mittelmäßiges ist, und damit eine gefährliche Form der “künstlerischen Freiheit“ erschließt. Ein bequemer Weg für den fehlenden gedanklichen Inhalt eines Werkes oder einer Installation, das nur auf den spektakulären Dekorations-Effekt an einer internationalen Ausstellung abzielt.

Die Vorstellung ein Künstler zu sein ist betörend, die Realität oft brotlos. Neben Kreativität und Talent braucht der Künstler heutzutage eine überdurchschnittlich hohe Risikobereitschaft, sowie eine maßgeschneiderte Selbstvermarktung. Ohne sie ist es nahezu unmöglich die gebührende Anerkennung als Künstler zu erlangen.

Die Kunst ist auch eine Bürde, fordert sie doch den Künstler mit Haut und Haaren. Er unterliegt dem ewigen Balanceakt zwischen der Realität im Alltag und der künstlerischen Umsetzung in seinem Werk.

Die Künstler sollten lernen sich mehr auf sich selbst und ihre Aufgabe in unserer Gesellschaft zu besinnen und sich von der Mickey-Maus-Kunst aus Hollywood nicht beeinflussen zu lassen. Die Kunst muss wieder ihrer Funktion gerecht werden.

Wer neue Wege gehen will, muss die alten Pfade verlassen. Veränderung ist das einzig Beständige in unserer heutigen Welt.

Ein  Wegbereiter sein, streben danach, dass unsere Werke mehr sind als eine einfache Raumdekoration, die irgendwann, abgenutzt auf der Müllhalde landet. Bereit, etwas in dieser Welt zu bewegen, dass den Begriff der Unvergänglichkeit erlangt.

Text © Joey Schmidt-Muller, 2018