Il Kongresshaus è la location perfetta per accogliere l’elegante creatività delle opere esposte, ma non mancano le opere di “rottura”, installazioni a carattere sociale che vogliono poter lanciare il loro forte messaggio, come l’installazione “Cat Walk Switzerland” di Joey Schmidt-Muller (“Our body is an island”), artista svizzero già visto a Rhy Art Fair Basel e a Berliner Liste 2015.

 

Die Installation "Cat Walk Switzerland" an der Rhy Art Fair Basel, Juni 2015

L’installazione “Cat Walk Switzerland” di Joey Schmidt-Muller (“Our body is an island”)

 

 

Das Objekt als Prozess, der Weg zur Installation “Cat Walk Switzerland“

 

“Ballon Rouge“, der französische Kurzfilm von Albert Lamorisse aus dem Jahr 1956 erzählt die Geschichte des kleinen Pascal und seinem roten Ballon. Pascal freut sich als er einen roten Luftballon findet, doch seine Mutter möchte nicht, dass er ihn behält. Das interessiert den Ballon aber überhaupt nicht. Egal was auch versucht wird, der Ballon bleibt immer in der Nähe von Pascal. Das führt zu einigen Konflikten, da Pascals Umgebung irritiert auf den roten Ballon reagiert. In der Schule sieht sich der kleine Junge zunehmendem Ärger ausgesetzt. Außerdem gönnen seine Klassenkameraden ihm den mysteriösen Ballon nicht.

 

Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich selbst noch ein Junge. Er blieb in meinem Gedächtnis haften, wie die verschwommenen Erinnerungen an einen Traum.

 

Rot ist nicht nur die Farbe der Liebe, Rot ist auch die Farbe der Gefahr.

 

Die Farbe Rot und ihre Verwendung lässt sich seit den frühesten Spuren menschlicher Existenz nachweisen und kommt in fast allen Kulturen vor. Sie besitzt eine allgemeinverständliche visuelle Empfindungssprache ohne Worte. Jeder Mensch reagiert darauf mit einem eigenen Gefühl, von aufregender Ablehnung oder erregender Bejahung. Wie Musik, verfügt die Farbe über eine expressive Art der Kommunikation. Rot steht für zentrale Bereiche menschlicher Existenz, für das Leben wie für den Tod, symbolisiert einen Grossteil menschlicher Emotionen, wie die Liebe, die Leidenschaft, Erotik, Scham, Wut und den Zorn, ebenso wie die Gefahr. Wo Rot seine höchste Intensität erreicht, ist es die lauteste und kraftvollste aller Farben.

 

Durch die permanente Auseinandersetzung mit den veränderten Bedingungen und Fragestellungen in der Kunst, entfernte ich mich mehr und mehr von den herkömmlichen Vorstellungen künstlerischer Tätigkeit. Waren die ersten drei Red Balloon Projekte noch von spielerischer Art und ohne komplexen Sinn, temporäre Kunstwerke für den Augenblick, bevor sie wieder abgebaut oder durch natürliche Zerstörungsprozesse verschwanden, folgte als konsequenter Schritt meine Hinwendung zu gesellschaftskritischen Objekten.

 

"Frau-Jeder-Mann", dass erste Objekt welches später in die Installation “Cat Walk Switzerland“ integriert wurde, als Denkraum aufzubauen, war der entscheidende Grundgedanke. Es ging mir dabei um verschiedenartige Möglichkeiten sich die Realität vorzustellen, unsere Zeit visuell zu verarbeiten.  Die Herausforderung, durch die Unmittelbarkeit der Ansicht, symbolisierte Abbilder unserer Zeit zu schaffen, verlangte alles Nebensächliche wegzulassen und bietet dafür den Freiraum für die Projektion eigener Fantasien. Es soll den Betrachter aus der gewohnten anschauungs-orientierten Wirklichkeitswahrnehmung herausführen.

Meine Absicht war es, die dazu verwendeten Materialien nicht grundlegend zu verändern, nicht einem künstlerischen Konzept zu opfern, sondern umgekehrt durch die eigenwärtige Materialwahl wirken zu lassen, also als künstlerisches Gesamtwerk wahrzunehmen und durch die Symbolkraft des Materials eine gesamte Realität umfassende Ikonographie abzurufen.

 

Installation “Cat Walk Switzerland“ - Aufbau und Komplexität - Wenn man ein Monster kreiert, muss man sich nicht wundern, wenn es einem eines Tages über den Kopf wächst!“.

 

Fordernd und erotisch wirken die leuchtend rot geschminkten Lippen, signalisieren die emanzipierte, selbstbewusste und unabhängige Frau, bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Erotik, Verführung und sexueller Anziehungskraft, Macht und Unterwerfung und dem unstillbaren Bedürfnis nach ewiger Jugend und Schönheit.

 

Der moderne Begehrlichkeits-Anreizungs-Apparat funktioniert in unserer industriellen Welt reibungslos. Wir werden registriert und kontrolliert von der Geburt bis zum Tod. Die Werbung macht sich die Unbedarftheit der Kinder zu Nutzen. Sie werden früh dem Konsumdruck ausgesetzt und von der Werbung zu Modepuppen und guten Konsumenten erzogen. Sehen und haben-wollen ist ein einziger Impuls. Mit der fortschreitenden Kommerzialisierung werden immer mehr Handlungen im Alltag kostenpflichtig. Diese Entwicklung ist ohne Konsum nicht vorstellbar. In der Folge gehen Kinder und Jugendliche davon aus, dass Markenlogo, Prestigekonsum und Aussehen heute wichtiger sind als Charakter. Auf diesen Gedanken ist das Objekt “Heidi“ aufgebaut. Zwischen Kindlichkeit, Kind-Sein und Lolita-Wahn liegt ihre sichtbare Verletzlichkeit.

 

Die Objekte “Ohne Kopf“, die “Presse“ und die “Kommunikation“, reflektieren  die Zeit zwischen Gestern und Heute, beschäftigen sich mit der Frage, warum sich das eigene Bild von der Zukunft verändert.

 

Schwelende Konflikte, Krieg und Zerstörung, Verlust der Unschuld, Selbstdarstellung, die Renaissance des Tätowierens, die Gasmaske und die Glaskugel - der Kopf ohne Sehvermögen, sie alle sind als Symbole und Zustand unserer Welt, an dem Objekt “Frau-Jeder-Mann“, ablesbar. 

 

Das Objekt “Abfall“, symbolisiert mit der Farbe Rot und dem Eimer unseren hemmungslosen Konsum und den daraus resultierenden Abfall, der längst zu einem florierenden Industrieprodukt geworden ist.

 

Die Begehrlichkeit und das Besitz ergreifen ist in dem Objekt “Frau Schweizer“ der zentrale Ausdruck. Ihre prallen Kunst-Brüste entstanden nicht aus moralischen oder erotischen Motiven. Sie sind eine Selbstdarstellung der ewigen Eva, nur vermeintlich, wehrlos der männlichen Begierde ausgesetzt. Als starke, selbstbewusste Frau täuscht sie Schwäche vor. Scheinbar hingebungsvoll biegt sie den Kopf in den Nacken und bietet dem Voyeur ihren Körper an. Eine Illusion, die Männer wie Frauen erregt.

Die Sonnenbrille, als Maske die nicht nur ihre Augen schützt, eine Maske, hinter der wir unsere Gedanken und Gefühle zu verbergen versuchen.

 

Die Kunst ist die ewige Suche nach dem Sinn des Lebens

 

Es ist die Ausdruckskraft der einzelnen Objekte, in denen eine Sprache zur Verfügung steht, die berührt, überrascht, befremdet und vielleicht auch schockt. Sind sie doch ein Spiegelbild unserer Zeit und haben nichts mit den Schönheitsvorstellungen einer historischen Ästhetik zu tun, die auf Überwältigung des Betrachters abzielen und keinen Raum zur Mitsprache lassen. Sie haben nichts Tröstliches, entblößen schonungslos das Gesicht hinter der Maske, wie ein melancholisches Monument menschlicher Verlorenheit, auf der Suche nach der Durchlässigkeit, durch die sie den Betrachter zugleich in sich hineinlassen und von ihm handeln, der absoluten Wahrheit jenseits aller Relativität. Die Installation "Cat Walk Switzerland", als Ausdrucksform des nüchternen Realismus. In neun Objekte gegliedert, positionieren sich die Figuren auf einem 15 Meter langen Cat Walk.

 

Text © Joey Schmidt-Muller


Die Installation "Cat Walk Switzerland" in Rheinfelden-Herten, das "Livestream" Spektakel, 4. September 2015

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