Joey Schmidt-Muller

swiss/australian visual artist

member of visarte, the national association of visual arts, switzerland

 

The visual arts are one of the most important tools for thinking about the past and the present.

 

THE UNLOCKED PROMETHEUS

 

Paraphrases to pictures by Joey Schmidt-Muller on the occasion of the exhibition - the art spectacle - or the eternal search for the meaning of life

 
Art has no theme.

Or all topics at once. She deals with herself. She circles around her own possibilities and reaches her own limits. Art is a playing child (not just the artist). Shapes and colors, prisms and perspectives rest in their wonderful peculiarity and their autonomy. They search, they push off. They dance and fight, dive and fly. They do not care about us. And yet: The picture, which is framed and adjusted with a spirit level, hanging on the wall, is lonely. It suffers. It waits for the observer, for the opposite, the eye-lover, for the encounter of the picture with the gaze of the one who not only sees, but in the best case can "look".


Of course, art also has "themes", subjects, concrete starting points and anchor points on which the image mounts itself and us. What we see here is more concrete than we can be. Art maps the self - not the "me". The absence of man in the so-called "abstract" art is also a statement about the human. Art thus seeks the "higher ego" beyond the mirror and subjective self-reflection. It is the medium of transformation. The way of salvation. The only way for the artist. And the rescue remains uncertain.

 

Which topics do we encounter in the pictures of Joey Schmidt-Muller? The senses. The sensuality. The pain. The joy. The desire. The madness. The wait. The prisoner. The self-liberation. The mute. The screaming. The "eternal search for the meaning of life" hinted at in the exhibition title implies our agreement that we will not find the "meaning". At least not as a one-dimensional answer that would have dealt with all other questions. If the veil were completely aired - we would not stand it!


Joey Schmidt-Muller finds his way to the meaning and to his view of the world in his own pain experiences. His mythological counterpart is the bound Prometheus, the rebel forged by Zeus on the rocks of the Caucasus, who brought fire to mankind (and thus to civilization). He should pay for that! Every day an eagle comes and eats on his liver (his life!). Every night the wound grows up again. The gods are not fair. They are moody, sadistic, brutal. They raise and destroy. Case by case decisions made by senior employees, moires. Fateful. Arbitrariness.

But at least freestyle.

Joey Schmidt-Muller's pictures are an impertinence.

What else could be a compliment? The pain, the torture, the nightmares and fears that scream at us in these tormented creatures trigger something in us. Solve anything at all. The enduring of this imposition leads to a surprising encouragement. In this sense, Joey Schmidt-Muller is also an escape artist. "Man is free, and if he were born in chains," says Schiller ... Prometheus unchained. But we always pay a price for freedom. The price of self-responsibility. The bodies and figures in Joey Schmidt-Muller's paintings and drawings can not be bypassed on this Caucasian boulder.

The unleashed Prometheus dragging his chain through the world clattering. She rattles, clinks.

Can you hear it?

DER ENTFESSELTE PROMETHEUS

 

Paraphrasen zu Bildern von Joey Schmidt-Muller anlässlich der Ausstellung - Das Kunstspektakel – oder die ewige Suche nach dem Sinn des Lebens

 

Kunst hat kein Thema.

Oder alle Themen auf einmal. Sie beschäftigt sich mit sich selbst. Sie kreist um ihre eigenen Möglichkeiten und stößt an ihre eigenen Grenzen. Die Kunst ist ein spielendes Kind (nicht nur der Künstler). Formen und Farben, Prismen und Perspektiven ruhen in ihrer wundervollen Eigenart und ihrer Autonomie. Sie suchen sich, sie stoßen sich ab. Sie tanzen und kämpfen, tauchen ab und fliegen. Sie kümmern sich nicht um uns. Und doch: Das Bild, das, gerahmt und mit Wasserwaage justiert, an der Wand hängt, ist einsam. Es leidet. Es wartet auf den Betrachter, auf das Gegenüber, den Augenliebhaber, auf die Begegnung des Bildes mit dem Blick dessen, der nicht nur sehen, sondern im besten Falle „schauen“ kann.

 

Natürlich hat Kunst auch „Themen“, Sujets, konkrete Ausgangs- und Ankerpunkte, an denen das Bild sich und uns festmacht. Was wir hier sehen, ist konkreter als uns lieb sein kann. Die Kunst kartographiert das Selbst – nicht das „Ich“. Auch die Abwesenheit des Menschen in der sog. „abstrakten“ Kunst ist eine Aussage über das Menschliche. Kunst sucht also nach dem „höheren Ich“ jenseits des Spiegels und der subjektiven Selbstbespiegelung. Sie ist das Medium der Transformation. Der Weg der Rettung. Für den Künstler der einzige Weg. Und die Rettung bleibt dennoch ungewiss.

 

Welche Themen kommen uns in den Bildern Joey Schmidt-Mullers entgegen? Die Sinne. Die Sinnlichkeit. Der Schmerz. Die Freude. Die Lust. Der Wahnsinn. Das Warten. Das Gefangensein. Das Sich-Befreien. Das Stummsein. Das Schreien. Die im Ausstellungstitel angespielte „ewige Suche nach dem Sinn des Lebens“ setzt unser Einverständnis voraus, dass wir den „Sinn“ nicht finden werden. Jedenfalls nicht als eindimensionale Antwort, mit der sich alle anderen Fragen erledigt hätten. Wäre der Schleier gänzlich gelüftet – wir würden es nicht ertragen!

 

Joey Schmidt-Muller findet seine Wege zum Sinn und zu seinem Blick auf die Welt in den eigenen Schmerzerfahrungen. Sein mythologisches Gegenüber ist der gefesselte Prometheus, der von Zeus an den Felsen des Kaukasus geschmiedete Rebell, der den Menschen das Feuer (und damit die Zivilisation) gebracht hat. Dafür soll er büßen! Jeden Tag kommt ein Adler und frisst an seiner Leber (seinem Leben!). Jede Nacht wächst die Wunde wieder zu. Die Götter sind nicht gerecht. Sie sind launenhaft, sadistisch, brutal. Sie erheben und zerstören. Einzelfallentscheidungen, ausgeführt von höheren Angestellten, den Moiren. Schicksalhaftes. Willkür.

 

Aber immerhin Kür.

 

Joey Schmidt-Mullers Bilder sind eine Zumutung.

 

Was könnte sonst als Kompliment taugen? Der Schmerz, die Folter, die Albträume und Ängste, die uns in diesen gequälten Kreaturen entgegenschreien, lösen etwas in uns aus. Lösen überhaupt etwas. Das Aushalten dieser Zumutung mündet eine überraschende Ermutigung. In diesem Sinne ist Joey Schmidt-Muller auch ein Entfesselungs-künstler. „Der Mensch ist frei, und wär’ er in Ketten geboren“, sagt Schiller ... Prometheus unchained. Doch wir zahlen für die Freiheit immer einen Preis. Den Preis der Selbst-Verantwortung. An diesem kaukasischen Felsblock lassen uns die Körper und Figuren in Joey Schmidt-Mullers Bildern und Zeichnungen nicht vorbei.

 

Der entfesselte Prometheus schleppt seine Kette scheppernd durch die Welt. Sie rasselt, klirrt.

 

Können Sie es hören?

 

 Text: Wernfried Hübschmann, Dichter & Essayist

 

The Reformation between color and form

Pictures and objects are a mirror of our time and have nothing to do with the beauty concepts of a historical aesthetic, which aim to overwhelm the viewer and leave no room for a say. They have nothing comforting, bare their faces behind the mask, like a melancholy monument of lost humanity, in search of the permeability through which they both let the viewer in and act upon him, the absolute truth beyond all relativity.

 

 

Die Reformation zwischen Farbe und Form

 

Bilder und Objekte sind ein Spiegel unserer Zeit und haben nichts mit den Schönheitsvorstellungen einer historischen Ästhetik zu tun, die auf Überwältigung des Betrachters abzielen und keinen Raum zur Mitsprache lassen. Sie haben nichts Tröstliches, entblößen das Gesicht hinter der Maske, wie ein melancholisches Monument menschlicher Verlorenheit, auf der Suche nach der Durchlässigkeit, durch die sie den Betrachter zugleich in sich hineinlassen und von ihm handeln, der absoluten Wahrheit jenseits aller Relativität.